caremaid.net Newsletter 02/2017 vom 12.07.2017

7 geldwerte Tipps für Pflegehaushalte

Dieser Artikel soll Ihnen einen Überblick verschaffen, welche Möglichkeiten Sie jenseits des Pflegegelds haben, Zuschüsse und Geldleistungen aus der Pflegekasse zu erhalten.

  • Ambulante Leistungen in Kopmbination mit Pflegegeld
  • Verhinderungs- und Kurzzeitpflege
  • Pflegehilfsmittel Angebote zur Unterstützung im Alltag (Betreuungsgeld)
  • Zuschüsse zu Wohnumfeldverbesserungen
  • Rentenversicherung für pflegende Angehörige

Die Leistungen erhalten Sie selbstverständlich auch, wenn Sie durch eine ausländische Pflegehilfe betreut oder unterstützt werden.

1. Kombinieren Sie Ambulante Leistungen und Pflegegeld

Wenn der Pflegebedürftige ambulante Sachleistungen bezieht, also zum Beispiel regelmäßig einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nimmt, kann zusätzlich Pflegegeld gezahlt werden, wenn der Höchstbetrag nicht ausgeschöpft wird.

Beispiel:

  • Eine Pflegebedürftige hat Pflegegrad 4
  • Sie hat somit bei ambulanter Pflege (zu Hause) Anspruch auf 1.612 € Sachleistung oder 728 € Geldleistung.
  • Die Leistungen des ambulanten Pflegedienstes kosten hier in unserem Beispiel monatlich 806 €, also 50% des Höchstbetrags von 1.612 €.
  • Damit besteht bei ambulanter Pflege zu Hause durch Angehörige zusätzlich ein Anspruch auf Pflegegeld i. H. v. 364 € (= 50% von 728 €).

SGB IX § 36, § 37

Höchstbetrag: 2.418 €

 

2. Fahren Sie mal in Urlaub und nutzen Sie die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Wenn Sie als pflegende/r Angehörige/r in Urlaub gehen oder anderweitig verhindert sind, zum Beispiel durch Krankheit, dann stehen Ihnen die Leistungen aus der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Verfügung. Wie Sie diese nutzen können, können Sie dem weiteren Artikel zur Verhinderungs- und Kurzzeitpflege in diesem Newsletter entnehmen.

SGB XI § 39, § 42

Höchstbeträge (nicht gleichzeitig):
2.418 € (Verhinderungspflege)
3.224 € (Kurzzeitpflege)

 

3. Lücken bei der Pflege zu Hause: Tages- und Nachtpflege!

Trotz Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, 24-Stundenbetreuung und weiteren Maßnahmen, entstehen manchmal Lücken in der Pflege und Betreuung zu Hause. Für diese Fälle gibt es die Tages- und Nachtpflege, die als teilstationäre Pflege gilt. Während die pflegebedürftige Person also bei der Kurzzeitpflege in einer vollstationären Einrichtung untergebracht ist, findet die Tages- und Nachtpflege in einer teilstationären Einrichtung statt. Zustand des Pflegebedürftigen und Intensivität der Pflege spielen eine Rolle bei der Unterscheidung, welche Leistung relevant ist. Tages- und Nachtpflege kann von Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 in Anspruch genommen werden. Es gelten unterschiedliche Höchstbeträge je nach Pflegegrad.

  • Pflegegrad 2:     689 €
  • Pflegegrad 3:  1.298 €
  • Pflegegrad 4:  1.612 €
  • Pflegegrad 5:  1.995 €

Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege lassen sich mit anderen Leistungen kombinieren. Die so genannten „Hotelkosten“ (Unterbringung und Verpflegung) sind allerdings nicht durch die Tages- und Nachtpflege gedeckt.

SGB IX § 41

Höchstbetrag: Je nach Pflegegrad: 689 € - 1.995 € €

 

4. Nutzen Sie Pflegehilfsmittel

Bei den Pflegehilfsmitteln wird unterschieden zwischen technischen Hilfsmitteln wie Pflegebetten, Pflegerollstühle oder Hausnotrufsystemen und Verbrauchshilfsmitteln.

Die technischen Hilfsmittel bekommen Sie mit einem Eigenanteil von 10% (max. 25€) vollständig zur Verfügung gestellt. Wenn Sie diese leihweise bekommen, entfällt der Eigenanteil.

Die Verbrauchshilfsmittel sind katalogisiert, das heißt Sie bekommen die nachfolgend aufgelisteten Hilfsmittel bis zur Höhe von 40 € erstattet:

  • saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch in der Mindestgröße 40 x 60 cm
  • Fingerlinge für die private Pflegeperson
  • Einmalhandschuhe für die private Pflegeperson
  • Mundschutz für die private Pflegeperson
  • Schutzschürzen zum Einmalgebrauch für die private Pflegeperson
  • Schutzschürzen wiederverwendbar für die private Pflegeperson
  • Händedesinfektionsmittel nur in flüssiger Form
  • Flächendesinfektionsmittel (keine Wunddesinfektion), nur in flüssiger Form

Andere hier nicht aufgelistete Hilfsmittel (z. B. Slip und Hygieneeinlagen, sämtliche Körperpflegeprodukte, Arztseife und Handhygiene etc.) sind nicht erstattungsfähig. Sehen Sie dazu den weiteren Artikel zu Pflegehilfsmittel und wie Sie diese ganz bequem ohne großen Aufwand nutzen können.

SGB IX § 40 Abs. 2,3

Höchstbetrag: 40 € (Pflegehilfsmittel)

 

5. Beantragen Sie niedrigschwellige Leistungen – Angebote zur Unterstützung im Alltag

Mit der Pflegereform 2017 wurde die Bezeichnung „Betreuungs- und Entlastungsangebote“ in „Angebote zur Unterstützung im Alltag“ geändert. Dahinter verbergen sich aber weiterhin „niedrigschwellige Leistungen“, die in erster Linie für Demenzkranke hilfreich sind, aber auch von anderen Pflegebedürftigen genutzt werden können.

Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Begleitung zum Arzttermin, um stundenweise Betreuung und Beschäftigung mit dem Pflegebedürftigen, gemeinsames Spazierengehen oder den Besuch von Veranstaltungen. Betreuungspersonen bekommen Sie über verschiedene Institutionen wie zum Beispiel Caritas oder Diakonie vermittelt. Meist sind es ehrenamtlich tätige Menschen, die diese Aufgabe mit viel Engagement und Liebe erfüllen. Für diese steht Ihnen ein monatliches „Betreuungsgeld“ in Höhe von 125 € zur Verfügung. Zu beachten: Der Anbieter muss eine gesetzliche Zulassung besitzen, damit Sie die Hilfe in Anspruch nehmen können.

SGB IX § 45b

Höchstbetrag: 125 €

 

6. Verbessern Sie das Wohnumfeld

Die Pflegebedürftigkeit geht häufig mit verschiedenen Einschränkungen einher, die mit dem Wohnumfeld zu tun haben: Türen sind zu schmal, die Treppe im Haus kann nicht mehr selbständig genutzt werden, die Dusche ist ungeeignet für pflegebedürftige Personen. In diesen Fällen und vielen anderen Fällen helfen Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen, also Verbreiterung der Türen, Einbau eines Treppenlifters und Umbau in eine barrierefreie Dusche.

Diese werden von der Pflegekasse mit bis zu 4.000 € bezuschusst. Um die Leistungen in Anspruch nehmen zu können, muss die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen werden. Das ist der Fall, wenn der Pflegebedürftige einen Pflegegrad von 1 bis 5 besitzt. Der Umbau muss dazu führen, die Pflege zu ermöglichen oder erheblich zu erleichtern bzw. diese für eine möglichst selbständige Lebensführung wiederherzustellen.

SGB IX § 40 Abs. 4

Höchstbetrag: 4.000 €

 

7. Pflegen Sie rentenversichert

Unter bestimmten Voraussetzungen, kann Ihre Arbeit als pflegender Angehöriger mit Beiträgen der Pflegekasse für Ihre Rente honoriert werden. Das heißt, Sie bekommen später eine Rente für die Pflege, die Sie übernommen haben.

Die Voraussetzungen sind folgende:

  • Die Person, die gepflegt wird, hat mindestens Pflegegrad 2
  • Die Pflege muss zu Hause stattfinden
  • Sie dürfen nicht mehr als 30 Stunden pro Woche einer anderen Beschäftigung nachgehen
  • Die Pflegezeit muss mindestens 10 Stunden pro Woche betragen und Sie müssen die Pflege an mindestens 2 Tagen verrichten
  • Sie müssen die Pflege ehrenamtlich durchführen, dürfen also keine Bezahlung dafür erhalten (Ausnahme: Das Pflegegeld darf Ihnen der Pflegebedürftige überlassen)

Die Höhe der Rentenbeiträge, die von der Pflegekasse übernommen werden ist vom Pflegegrad abhängig. Um in den Genuss der Rentenbeitragsleistungen zu kommen, müssen Sie den dafür vorgesehenen Fragebogen bei der Pflegekasse ausgefüllt einreichen.

Zusatz-Tipp: Zeit ist Geld - Lassen Sie sich eine Vorsorgevollmacht erteilen!

Wenn Sie für die pflegebedürftige Person aktiv werden und Rechtsgeschäfte abschließen oder Leistungen beantragen, dann müssen Sie dazu formal berechtigt sein. Wenn der Pflegebedürftige irgendwann nicht mehr geschäftsfähig sein sollte, wird sich der Aufwand vervielfachen, da Sie ggf. für jede Handlung einen Gerichtsbeschluss benötigen. Deshalb mein Tipp: Lassen Sie sich die Vollmacht frühzeitig erteilen!