caremaid.net Newsletter 01/2017 vom 25.04.2017

Pflegestärkungsgesetz 2017: Was ist neu für Pflegehaushalte?

Mit dem neuen Jahr ist das Pflegestärkungsgesetz (PSG) 2017 in Kraft getreten, das sich aus dem PSG II und PSG III zusammensetzt. In zahlreichen Medien wurde im Januar darüber berichtet, so wie auch jetzt wieder mit einer ersten Bilanz nach 3 Monaten. Diese fällt überwiegend positiv aus. Das Thema „Pflegegrade“ ist laut Google Trends noch immer stark nachgefragt.

Deshalb habe ich für Sie beide Teile des Pflegestärkungsgesetzes (PSG), nämlich PSG II und PSG III mit den wichtigsten praxisrelevanten Informationen zusammengefasst und übersichtlich dargestellt.

Dieser Artikel richtet sich mit praxisorientierten Informationen an Haushalte, in denen eine pflegebedürftige Person lebt. Ich möchte Hilfestellung zu folgenden Themenpunkten bzw. Fragen geben:

  1. PSG II: Warum Pflegegrade statt Pflegestufen?
  2. Welche Vorteile ergeben sich für Haushalte mit 24-Stunden-Betreuer/innen oder pflegenden Angehörigen?
  3. Was ist zu tun? Der Pflegerechner hilft
  4. Wo bekommt man weitere Hilfe und Informationen?
  5. PSG III: Worum geht es beim PSG III?

1. Warum Pflegegrade statt Pflegestufen?

Mit dem 2. Pflegestärkungsgesetz (PSG II) erfolgt eine tief greifende Reform der Pflegeversicherung. Mit dem PSG II wurden zum 01.01.2017 ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und somit auch ein neues Instrument zur Begutachtung eingeführt, das so genannte Neue Begutachtungs-Assessment (NBA), zu deutsch das „Neue Begutachtungsverfahren“.

In Zukunft ist die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen das wichtigste Kriterium für die Pflegebedürftigkeit. Das heißt, die Beurteilung hängt von folgenden Fragen ab:

  • Wie selbstständig ist der Pflegebedürftige bei der Bewältigung seines Alltags?
  • Was kann er und was nicht?
  • Wobei benötigt er Unterstützung?

Damit wird der Situation von Demenzkranken, also eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten und psychologischen Beeinträchtigungen verstärkt Rechnung getragen. Diese werden mit dem neuen Begutachtungsinstrument differenziert erfasst. Sechs verschiedene Module betrachten jeweils 6 bis 16 Tatbestände, die abgefragt werden:

Modul 1: Mobilität (physisch)
Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Modul 3: Verhaltensweise und psychische Problemlagen
Modul 4: Selbstversorgung
Modul 5: Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Beispiel aus Modul 1: „Treppensteigen möglich?“ mit den Antwortmöglichkeiten selbstständig – überwiegend selbstständig – überwiegend unselbstständig – unselbstständig. Je nach Grad der Selbständigkeit werden Punkte vergeben.

Der Medizinische Dienst (MDK, siehe unten!), der für die Begutachtung verantwortlich ist, erklärt das neue System verständlich und gut illustriert auf seiner Website unter www.pflegebegutachtung.de.

2. Welche Vorteile ergeben sich für Haushalte mit 24-Stunden-Betreuer/innen oder pflegenden Angehörigen?

Wie Sie der Tabelle entnehmen können, sind die Leistungen ab 2017 von wenigen Ausnahmen abgesehen höher als zuvor und keiner wird schlechter gestellt. Die Pflegehaushalte, die auf eine 24-Stundenbetreuungskraft aus dem Ausland zurückgreifen, haben damit auch ein erhöhtes Budget zur Verfügung, denn ausländische Pflegehilfen werden vom Gesetzgeber nicht gesondert betrachtet. Diese sind aus den Geldleistungen (Pflegegeld) zu finanzieren, die auch für die Pflege durch Angehörige gewährt werden.

Die Grafik zeigt ebenfalls die Zuordnung von Pflegestufen zu den nun gültigen Pflegegraden. Diese Zuordnung wird automatisch durch die Pflegeversicherung durchgeführt, so dass Sie in der Regel nichts mehr tun müssen. Allerdings sollten Sie prüfen, ob nicht ein höherer Pflegegrad möglich ist. Das kann insbesondere bei Demenzkranken der Fall sein, denn der Beeinträchtigung der Alltagskompetenz wurde gerade beim Pflegestärkungsgestz II (PSG II) eine größere Bedeutung eingeräumt.

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3. Was ist zu tun? Der Pflegegradrechner hilt.

Wenn Sie sicher sind, dass in Ihrem Haushalt der richtige Pflegegrad zugewiesen wurde, müssen Sie nichts mehr tun. Wenn Sie aber der Meinung sind, dass sich die Situation verschlechtert hat oder auch zuvor schon keine realistische Einstufung gegeben war, sollten Sie den Kriterien-Katalog einmal durchgehen und gegebenenfalls eine eigene Berechnung des Pflegegrads durchführen. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen liefert zwar mit seiner Broschüre „Die Selbstständigkeit als Maß der Pflegebedürftigkeit ein hilfreiches Instrument zur Selbsteinschätzung, ein Pflegegradrechner ist aber in der Regel das Zeit sparendere Hilfsmittel.

Mit Ihrer Einschätzung, gestützt auf das Ergebnis des Pflegegradrechners, wenden Sie sich dann an den Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK).

4. Wo bekommen Sie weitere Hilfe und Informationen?

Informationsportal der Medizinischen Dienste zur Pflegebegutachtung ab 2017:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.pflegebegutachtung.de

Dort finden Sie die folgende PDF-Datei: Die Module zur Begutachtung der Pflegegrade werden leicht verständlich erklärt

Öffnet externen Link in neuem FensterDie Selbstständigkeit als Maß der Pflegebedürftigkeit

Das Bundesgesundheitsministerium unterstützt mit dem Pflegeleistungshelfer bei der Ermittlung der Leistungen, die Sie nach der Pflegereform 2017 erhalten:

Öffnet externen Link in neuem FensterPflegeleistungshelfer der Bundesregierung

 

 

Pflegestärkungsgesetz III: Worum geht es dabei?

Wie zuvor beschrieben hat das PSG II die größere praktische Relevanz für Pflegehaushalte. Beim PSG III geht es vor allem um zwei wesentliche Aspekte:

Erstens bildet das PSG III eine rechtliche Schnittstelle zwischen dem PSG II und anderen Sozialleistungen gemäß der Sozialgesetzgebung (SGB). Zweitens soll es die Pflege in der Praxis auf kommunaler Ebene verbessern. Zusätzlich beinhaltet das PSG III Regelungen zur Verhinderung von Abrechnungsbetrug sowie zur Korruptionsbekämpfung.

Für den Pflegehaushalt wirkt sich das PSG III in der Praxis dahingehend aus, dass diese einen Anspruch auf eine (bessere) Beratung und verbesserte Unterstützung auf Gemeindeebene erhalten. So sollen in zahlreichen Kreis- und kreisfreien Städten weitere Pflegestützpunkte eingerichtet werden, um Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige in Bezug auf Pflegegrade, Pflegegeld, MDK und alle individuellen Fragen besser beraten zu können.

Hinsichtlich weiterer Informationen zum PSG III empfehle ich den Öffnet externen Link in neuem FensterArtikel bei Wikipedia.