caremaid.net Newsletter 02/2017 vom 12.07.2017

Verhinderungspflege & Kurzzeitpflege - Leistungen, die Sie nutzen sollten

Mit der Pflegereform 2017 hat der Gesetzgeber auch die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege reformiert. Worum geht es bei der Verhinderungspflege? Wenn die Pflegeperson, also ein pflegender Angehöriger oder eine erwerbsmäßige Betreuungsperson ausfällt, zum Beispiel wegen Krankheit oder Urlaub, kann auf die so genannte Verhinderungspflege zurückgegriffen werden. Das sind Geldleistungen, die Sie nutzen sollten. Dabei handelt es sich um eine Ersatzpflege. Die pflegebedürftige Person wird dabei im Gegensatz zur Kurzzeitpflege weiter zu Hause gepflegt. Bei der Kurzzeitpflege handelt es sich um eine vorübergehende stationäre Unterbringung, zum Beispiel bei zeitweise erhöhter Pflegebedürftigkeit bei einer Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Leistungen der Pflegeversicherung für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die Verhinderungspflege spielt eine bedeutendere Rolle. Deshalb soll zunächst darauf eingegangen werden.

Wer hat Anspruch auf die Leistungen Verhinderungspflege?

Jeder Pflegebedürftige, der Pflegegeld ab Pflegegrad 2 erhält, ist grundsätzlich berechtigt, Leistungen aus der Verhinderungspflege zu beziehen, wenn eine Pflegeperson ausfällt. Die Leistungen werden maximal für 6 Wochen, also 42 Tage pro Kalenderjahr gewährt. Der Grund für den Ausfall spielt keine Rolle, es sollte nur faktisch so sein.

Voraussetzungen, Höchstbeträge & Beschränkungen

Die Pflegeperson, die ausfällt, kann ein Angehöriger oder eine erwerbsmäßige Pflegeperson sein. Ebenso kann die Ersatzpflegeperson ein Angehöriger oder eine erwerbsmäßige Pflegeperson sein. Allerdings gelten je nach Situation bestimmte Sonderregelungen /siehe unten!).

Voraussetzungen:

  • Die Pflegeperson muss ausfallen (Urlaub, Krankheit etc., der Grund ist nicht relevant)
  • Die Pflegeperson muss mindestens 6 Monate lang die Pflege ausgeführt haben
  • Sie müssen Kosten für die Ersatzpflege nachweisen (Belege, Rechnungen, Quittungen, bei Verdienstausfall Bescheinigung des Arbeitgebers etc.)

Der Höchstbetrag für die Verhinderungspflege liegt bei 1.612 €. Zusätzlich können bis zu 50%, also 806 € für nicht in Anspruch genommene Leistungen aus der Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege genutzt werden. Allerdings wird für den Zeitraum der Inanspruchnahme das Pflegegeld grundsätzlich um 50% für den 2 bis vorletzten Tag der Verhinderungspflege gekürzt.

Die Öffnet internen Link im aktuellen FensterBeispielrechnung (klicken!) zeigt, wie es aussehen könnte.

Als Kosten kommen beispielsweise in Frage:

  • Zahlungen an Ersatzpflegepersonen (Kosten für einen Pflegedienst)
  • Verdienstausfall (wenn ein Angehöriger unbezahlten Urlaub nimmt)
  • Fahrtkosten

Beschränkungen & Besonderheiten

Je nachdem, welchen Status Pflegeperson und Ersatzpflegeperson haben und wie sie zum Pflegebedürftigen stehen, sind besondere Regelungen zu beachten

  • Ist die Ersatzpflegeperson mit dem Pflegebedürftigen verwandt (bis 2. Grad), verschwägert oder lebt im gleichen Haushalt, dann werden die Leistungen aus der Verhinderungspflege auf die Höhe des Pflegegelds begrenzt. Konsequenz: Der Betrag ist nur geringfügig höher als das Pflegegeld (nur am 1. Und letzten Tag bekommt man Pflegegeld plus Leistungen aus der Verhinderungspflege)
  • Die Beschränkung gilt nicht, wenn die Ersatzpflegeperson die Ersatzpflege erwerbsmäßig übernimmt, also Geld dafür erhält und die Voraussetzungen für die erwerbsmäßige Pflege erfüllt sind:

    • Die Ersatzpflegeperson hat in den letzten 12 Monaten mindestens einen anderen Pflegebedürftigen über mindestens 8 Tage gepflegt und
    • Die Ersatzpflege dauert mindestens 28 Tage am Stück.

  • Ist der errechnete Höchstbetrag für die Verhinderungspflege schon vor Ablauf der 42 Tage (Höchstdauer) erreicht, dann wird ab dem Zeitpunkt wieder das volle Pflegegeld gezahlt.
  • Wurde die Verhinderungspflege schon 42 Tage in Anspruch genommen, so gibt es keinen weiteren Anspruch auf Leistungen aus der Verhinderungspflege

Wie sind Leistungen aus der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zu beantragen?

Die Leistungen für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege können auf Antrag bei der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden. Der Antrag ist formlos. Mit dem Antrag sind die Belege einzureichen. Der Antrag kann im Nachhinein erfolgen.

Was ist bei der Kurzzeitpflege zu beachten?

Die Leistungen aus der Kurzzeitpflege sind mit der Unterbringung in einer stationären Einrichtung verbunden. Die zeitweise stationäre Pflege erfordert eine entsprechende Notwendigkeit. Das heißt, die Pflege und Versorgung des Pflegebedürftigen ist zu Hause nicht mehr gewährleistet. Die Leistungen aus der Kurzzeitpflege sind wie die verhinderungspflege an Höchstbeträge geknüpft und mit den Leistungen aus der Verhinderungspflege kombinierbar. Die Höchstgrenze liegt ebenfalls bei 1.612 € (3.224 € bei Aufstockung durch nicht in Anspruch genommene Verhinderungspflege).

 

 

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege erklärt vom Bundesministerium für Gesundheit.