Beschäftigungsformen

Anstellung im Haushalt

 

Eine Anstellung im Haushalt stellt eine rechtlich saubere Lösung dar. Der Haushalt bzw. eine verantwortliche Person des Haushalts ist dabei Arbeitgeber und die Betreuungs- oder Pflegekraft ist Arbeitnehmer. Bei dem Vertrag, den beide Parteien schließen handelt es sich um einen Arbeitsvertrag. Dieser unterliegt dem deutschen Arbeitsrecht, das aus einer Vielzahl von Gesetzen besteht.

Die praktischen Konsequenzen sind, dass neben entsprechendem Verwaltungsaufwand Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer abzuführen sind und weitere Leistungen wie zum Beispiel Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu leisten sind. Weiterhin sind Arbeitsschutzgesetze einzuhalten. Die gesetzlichen Vorschriften sind unabhängig davon gültig, ob der Arbeitnehmer in Deutschland oder im Ausland gemeldet ist. Auch für osteuropäische Arbeitskräfte aus EU-Ländern mit Ausnahme von Bulgarien und Rumänien gilt seit dem 1. Mai 2011 die so genannte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das heißt, es ist keine besondere Arbeitserlaubnis notwendig.

Mehr Informationen zur legalen Beschäftigung von Haushaltshilfen oder Pflegehilfen finden Sie auf auf der Seite Legale Haushaltshilfen.

Vorteile
  • Juristisch korrekte Lösung
  • Soziale Absicherung der Betreuungskraft
Nachteile
  • Hoher Verwaltungsaufwand (Unterstützung: Beachten Sie den Arbeitgeberservice!)
  • Hohe Lohnkosten
  • Geringe Arbeitszeitflexibilität

Anstellung bei einer Agentur

 

1. Agentur hat seinen Sitz in Deutschland

Viele Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige möchten auf die aufwendige und kostenintensive Beschäftigung ihres Betreuungs- und Pflegepersonals verzichten und greifen auf eine Personal-Agentur zurück. In diesem Fall besteht zwischen dem Haushalt des oder der Pflegebedürftigen und dem Unternehmen ein Dienstleistungsvertrag (Dienstvertrag). Die Pflege- oder Betreuungskraft ist bei dem Unternehmen angestellt und somit diesem weisungsgebunden. Dieser Aspekt kann unter Umständen eine Rolle spielen, da in dieser Konstellation die Gefahr bestehen kann, dass seitens der Behörden Scheinselbständigkeit unterstellt wird.

Vorteile
  • Vertragspartner hat seinen Sitz in Deutschland
  • Soziale Absicherung der Betreuungskraft
Nachteile
  • Hohe Kosten
  • Wengier Einfluss in Bezug auf die Auswahl der Pflegehilfe

2. Agentur hat seinen Sitz im Ausland

Eine wesentliche Rolle in der Praxis spielt der Sitzort des Unternehmens bzw. der Agentur. Sitzt das Unternehmen in Deutschland, so gilt für den Arbeitsvertrag zwischen Betreuungs-/Pflegekraft und dem Unternehmen das deutsche Arbeitsrecht. Für den Haushalt hat das insofern eine Bedeutung als die vermeintlich höheren Arbeits- und Verwaltungskosten in Deutschland dem Honorar zugeschlagen werden.

Aufgrund der innerhalb der EU gültigen Dienstleistungsfreiheit dürfen auch Agenturen aus osteuropäischen Ländern in Deutschland Dienstleistungen anbieten. Daher sind zahlreiche Firmen im Bereich der Seniorenbetreuung und Krankenpflege aktiv. Diese beschäftigen in ihrem Land Pflegepersonal, das sie im Rahmen des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) zur Erbringung der Pflege-Dienstleistungen zu ihren Kunden in westeuropäische Länder schicken. Die Kunden (Haushalte) sollten darauf achten, dass die Beschäftigung mit den Gesetzen des Entsendelandes konform ist. Die legale Beschäftigung wird mittels des EU-Formulars A1 nachgewiesen. Bei dieser Vertragskonstruktion ist es für den Haushalt des oder der Pflegebedürftigen wichtig, darauf zu achten, dass es sich um eine seriöse Firma handelt und beispielsweise die Spanne zwischen dem Lohn der Betreuungs- und Pflegekraft und dem Preis für die Dienstleistung nicht zu groß ist..

Vorteile
  • Soziale Absicherung der Betreuungskraft
Nachteile
  • Hohe Kosten
  • Wenier Einfluss in Bezug auf die Auswahl der Pflegehilfe
  • Unternehmen hat seinen Sitz im Ausland

Selbständige Beschäftigung

 

Die selbständige Beschäftigung der Betreuungs- oder Pflegekraft stellt eine mögliche Vertrags-Konstruktion dar. Dabei gehen Haushalt und Betreuungs- bzw. Pflegekraft einen Dienstleistungsvertrag ein und bilden somit ein Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis. Für den Haushalt ist es grundsätzlich unerheblich, ob die Auftragnehmerin ihren Sitz im In- oder Ausland hat.

Auf Grund der innerhalb der EU gültigen Niederlassungsfreiheit können sich EU-Ausländer in Deutschland niederlassen. Sie benötigen einen Wohnsitz im Inland und eine Gewerbeanmeldung. Die Anmeldepflicht beim Finanzamt ist obligatorisch.

Selbständige, die ihren Sitz im EU-Ausland haben, können im Rahmen des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) im Inland tätig werden. Sie entsenden sich sozusagen selbst, benötigen dazu eine Entsendegenehmigung sowie das Formular A1, das während der Arbeit mitzuführen ist. Damit wird der Nachweis der Sozialversicherung erbracht.

Unabhängig vom Sitzort besteht für selbständige Pflegekräfte die Gefahr der Scheinselbständigkeit. Neben der schwer nachweisbaren Nicht-Weisungsgebundenheit sind verschiedene Auftragnehmer und eigene Akquisitions-Aktivitäten wesentliche Kriterien. Während jedoch ausländische Auftragnehmerinnen die Sozialversicherung im eigenen Land mittels des Formulars A1 nachweisen, besteht bei inländischen Auftragnehmern diese nicht. Somit ist das Risiko der Scheinselbständigkeit für inländische Auftragnehmer bzw. deren Auftraggeber größer.

Vorteile
  • Einfache Handhabung
  • Geringe Kosten
Nachteile
  • Risiko der Scheinselbständigkeit
    • bei Sitz im EU-Ausland ist das Risiko geringer
    • ggf. müssen Sozialabgaben vom Arbeitgeber nachgezahlt werden
  • Organisationsaufwand (z. B. Vertretung muss durch den Haushalt organisiert werden)